Heizung im Neubau – jetzt wird’s heiß!

Bauherren müssen sich um Vieles kümmern: Hausangebote prüfen, Baufinanzierung planen, Versicherungen abschließen, Innenausbau bestimmen, Handwerker koordinieren. Ein essentieller Baustein beim Hausbau ist die Entscheidung, welche Heizung im Neubau Einzug halten soll. Wir geben dir einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten.

Zuerst einmal solltest du dir Gedanken zum Thema Heizung machen und einige Punkte klären:

Welche Heizung ist für meinen Neubau die Richtige?

Ob Gasheizung, Stromheizung, Wärmepumpe, Solarthermie, Biomasseheizung, Pellet- oder Ölheizung – jede Heizungsart hat ihre Vor- und Nachteile, die wir im Folgenden erläutern.

Gasheizung: Vor- und Nachteile

Eine Gasheizung wird mit brennfähigen Gasen wie Erdgas oder mit Flüssiggas – einem Gemisch aus Propan und Butan – betrieben. Die bei der Verbrennung entstehende Wärme wird an einen Wärmeträger (zum Beispiel Wasser oder Luft) übertragen, der dann meist per Umwälzeinrichtung in die zu beheizenden Räume geleitet wird.

Gasheizung im Keller mit vielen Rohren
Gasheizung im Keller mit vielen Rohren. @Ralf Geithe/fotolia.com

Vorteile der Gasheizung

  • Vergleichsweise niedrige Anschaffungskosten, kostengünstige Installation
  • Geringer Platzbedarf
  • Hohe Energieausbeute und emissionsarme Verbrennung

Nachteile der Gasheizung

  • Gasanschluss ist notwendig
  • Fossiler Energieträger – eine endliche Ressource, die im Vergleich zu erneuerbaren Energien hohe Emissionen verursacht
  • Du bist vom Gaspreis und den damit verbundenen Kosten (Import, Transport, etc.) abhängig

Gasheizungen kosten – je nach gewählter Art und Ausstattung – zwischen ca. 1‘500 – 11‘000 EUR.

Stromheizung: Vor- und Nachteile

Eine Strom- oder Elektroheizung – genauer Elektrogebäudeheizung – erwärmt Gebäude mithilfe von Elektrowärme. Hier gibt es verschiedene Systeme; eines der bekanntesten dürfte der Nachtspeicherofen sein. Aber auch mobile Heizstrahler zählen zu den elektronischen Heizgeräten.

Weißer Nachtspeicherofen, an der Wand angebracht
Nachtspeicherofen. Jürgen Fälchle/fotolia.com

Vorteile der Stromheizung

  • Kostengünstig in der Anschaffung
  • Nicht sehr wartungsintensiv
  • Geringer Platzbedarf (abhängig vom gewählten System)

Nachteile der Stromheizung

  • Wie bei vielen anderen Heizungsarten bist du abhängig von einem Preis, in diesem Fall vom Strompreis
  • Auf längere Sicht höhere Energiekosten als bei Öl- oder Gasheizungen
  • Höherer CO²-Ausstoß als bei Öl und Gas

Die Kosten für eine Stromheizung variieren sehr stark, abhängig von der Wahl des Gerätes. Heizlüfter sind schon ab ca. 50 EUR zu haben; die Verlegung einer elektrischen Fußbodenheizung kostet etwa 100 EUR pro Quadratmeter.

Wärmepumpe: Vor- und Nachteile

Eine Wärmequellenanlage entzieht der Umwelt, zum Beispiel der Umgebungsluft, dem Boden, einem Oberflächenwasser oder dem Erdreich Wärme und transportiert sie meist über ein Frostschutzmittel zur Wärmepumpe. Dort nimmt ein Kältemittel die Wärme auf und verdampft. Über einen Verdichter erhöht sich die Temperatur des jetzt gasförmigen Kältemittels und überträgt die Wärme nun auf das Wärmeverteilsystem des Hauses.

Luftwärmepumpe für Heizung und Warmwasser vor einem Niedrigenergiehaus
Luftwärmepumpe für Heizung und Warmwasser. Hermann/fotolia.com

Vorteile der Wärmepumpe

  • Umweltschonendes und nachhaltiges Wohnen: Die Umgebung dient als Wärmereservoir!
  • Steht unabhängig von Witterung und Tageszeit zur Verfügung
  • Wartungsarm

Nachteile der Wärmepumpe

  • Hohe initiale Kosten (Erschließung, Anschaffung, Zubehör)
  • Nicht an jedem Standort einsetzbar (abhängig von der Art der Wärmepumpe, eventuellen kommunalen Vorschriften oder dem Dämmungsgrad des Gebäudes)
  • Die Pumpe verursacht Lärm

Ganz grob können – je nach Wärmepumpenart – Kosten zwischen 12‘000 und 18‘000 EUR auf dich zukommen.

Solarthermie: Vor- und Nachteile

Eine Solarthermie-Anlage wandelt Sonnenenergie in nutzbare thermische Energie um. Diese Art der Wärmeerzeugung ist sehr vielversprechend, da die Energie der Sonne um ein Vielfaches höher ist als der Energiebedarf der Menschheit. Hier findet ihr weitere Informationen zur Funktionsweise von Photovoltaikanlagen.

Photovoltaikanlage, Solarthermie, Solardach
Solardach mit Sonnenpanelen. Horst Schmidt/fotolia.com

Vorteile der Solarthermie

  • Unbegrenzt verfügbare erneuerbare Energiequelle, die staatlich gefördert wird
  • Eine solarthermische Anlage läuft CO²-emissionsfrei
  • Die Anlagen können sogar zur Kühlung eines Gebäudes benutzt werden

Nachteile der Solarthermie

  • In der Nacht liegen Solaranlagen brach
  • Hohe initiale Anschaffungskosten
  • Solarkollektoren benötigen Platz und können unschön aussehen

Die Kosten für eine Solarthermie-Heizung sind abhängig von der Größe der Kollektorfläche und der gewünschten Ausstattung. Dazu kommen Installationskosten. Ganz grob kannst du mit ca. 3‘000 – 7‘000 EUR rechnen.

Biomasse: Vor- und Nachteile

Als Biomasse bezeichnet man tierische und pflanzliche Substanzen, aus denen man Heizenergie, elektrische Energie und Kraftstoffe gewinnen kann. Das können zum Beispiel Holzpellets, Scheitholz, Hackschnitzel oder Pflanzenbrennstoffe (Energiekorn, Strohpellets und Maisspindeln) sein.

Oft handelt es sich bei Biomasse zum Heizen um Abfallstoffe aus einer anderen Produktion, wie zum Beispiel Sägemehl / Sägespäne aus dem Sägewerk. Da diese Stoffe ohnehin entsorgt werden müssen, ist die Energieerzeugung mit Biomasse besonders sinnvoll. So entsteht aus der Entsorgung nämlich noch ein Nutzen!

Modernes Holzheizungssystem im Keller eines Hauses
Modernes Holzheizungssystem mit Brennanlage, Pelletlager und Pufferspeicher (von links nach rechts). kange_one/fotolia.com

Vorteile der Biomasseheizung

  • Erneuerbare Energiequelle, belastet die Umwelt nicht, hat eine positive CO²-Bilanz
  • Bezugspreise für Brennstoffe bleiben dank hoher Verfügbarkeit konstant niedrig
  • In großen Mengen speicherbar
  • Unabhängigkeit von anderen Energiequellen

Nachteile der Biomasseheizung

  • CO²-Bilanz ist schlechter als bei Sonnen- und Windenergie, bei denen keine Verbrennungsprozesse stattfinden
  • Energiedichte ist geringer als bei „klassischen“ Energieträgern
  • Gerade bei Holzpellets ist ein größerer Platzbedarf im Haus nötig

Eine Pelletheizung kann je nach Ausstattung zwischen 10‘000 – 20‘000 EUR kosten. Hier findest du einen ausführlicheren Artikel über das Heizen mit Holz.

Ölheizung: Vor- und Nachteile

Eine Ölheizung erzeugt Wärme durch die Verbrennung von Heizöl. Sie gibt die Wärme, die bei der Verbrennung entsteht, über einen Wärmetauscher an das Wasser für den Heizkreislauf ab.

Vorteile der Ölheizung

  • Relativ günstig in der Anschaffung
  • Bei geschicktem Einkauf ist Öl ein günstiger Brennstoff
  • Hoher Wirkungsgrad bei modernen Geräten, die übrigens auch gefördert werden

Nachteile der Ölheizung

  • fossile Energiequelle und vergleichsweise hoher CO²-Ausstoß
  • Hoher Platzbedarf für den Öltank
  • Du bist abhängig von Ölpreis-Schwankungen

Je nach Art, Ausstattung und Marke solltest du für die Ölheizung und deren Installation Kosten von 5‘000 – 10‘000 EUR einkalkulieren.

Eckdaten zum Haus und zum Verbrauch sammeln

Hast du deinen Favoriten bei diesen Heizsystemen gefunden, kannst du mit der Suche nach einem geeigneten Anbieter beginnen. Das Erstgespräch mit dem Heizungsanbieter solltest du gut vorbereiten. Idealerweise kannst du ihm folgende Fragen beantworten:

  • Wie groß ist die geplante Wohnfläche?
  • Wie viele Stockwerke wird das Haus haben?
  • Wie viele Personen werden im neuen Haushalt leben?
  • Wie hoch wird der durchschnittliche Wärmebedarf im Haushalt ungefähr sein?
  • Wird genügend Platz für die gewünschte Heizungsart vorhanden sein?
  • Welche Dämmung kommt zum Einsatz?

Internetportale wie die deutsche Seite energieheld.de oder die österreichische Seite kesselfuchs.at können bei der Auswahl eines geeigneten Dienstleisters vor Ort helfen. Beide Portale funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Auf kesselfuchs.at beispielsweise geben Interessenten ihre Daten (siehe oben) in einen Konfigurator ein. Auf dieser Grundlage wird dir eine erste Kostenschätzung zugesendet. Sagt dir diese zu, wird ein Vor-Ort-Termin mit dem passenden Installateur aus der Nähe vereinbart. Anschließend erstellt er dir ein verbindliches Angebot und führt die Installation durch. Der gesamte Vermittlungsprozess ist für Kunden völlig kostenfrei. So findest du schnell und einfach einen guten Installateur aus deiner Region.

Rechtliches klären

Bei der Auswahl der Heizung für den Neubau solltest du in Deutschland vor allem das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz beachten. Demnach müssen Bauherren für die Beheizung ihres Neubaus anteilig Energie aus erneuerbaren Quellen verwenden.

Beim Neubau gilt es – auch bei Heizungen – auf rechtliche Vorschriften zu achten. © DOC RABE Media/fotolia.com

In Österreich ist für Bauherren der sechste Teil der sogenannten OIB-Richtlinie (Österreichisches Institut für Bautechnik) wichtig. Er regelt unter anderem die Energieeinsparung bei Neubauten. Dabei stehen hocheffiziente alternative Energiesysteme auf der Grundlage von erneuerbaren Quellen im Vordergrund.

In der Schweiz gelten die sogenannten „MuKEn“ (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich). Sie sehen eine deutliche Reduzierung der Energiebezugsfläche vor. Das soll unter anderem durch modernere und nachhaltigere Heizsysteme geschehen. Neubauten sollen sich ab 2020 ganzjährig möglichst selbst mit Wärmeenergie versorgen.

Finanzierung der Heizung im Neubau

Die Kosten für die neue Heizung stehen fest, doch wie finanzierst du deine neue Heizung? Je nach Wahl der Heizung beteiligt sich der Staat an den Kosten für den Einbau:

In Deutschland sind die einzelnen Bundesländer – und hier speziell die Landesförderinstitute – für die „Förderung von Wohnraum“ zuständig. Es gibt aber auch landesweite Kampagnen, Programme und Aktionen. So fördert zum Beispiel die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) das sogenannte KfW-Effizienzhaus, das neben einer ressourcenschonenden Heizung auch die Dämmung und die Verglasung der Fenster berücksichtigt.

Hausplan mit Euro-Geldscheinen, Taschenrechner und Tastatur
Eine Heizung im Neubau kann teuer werden, wird aber oft vom Staat gefördert. © Gina Sanders/fotolia.com

In Österreich unterstützen die Bundesländer und Energieunternehmen bei nachhaltigen Neubaumaßnahmen.

In der Schweiz schließlich unterstützen der Bund, die Kantone und teilweise einzelne Gemeinden, Banken und Energieanbieter das Bauvorhaben, auch hinsichtlich einer neuen Heizanlage. Weitere Informationen findest du auf energieschweiz.ch.

7 Kommentare

  1. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich interessiere mich für die umweltschonende Heizung. Daher finde ich den Aspekt, den ein Flüssiggastank hat nicht zu unetrschätzen.

  2. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Diese Fragen hatten wir uns bei unserem Neubau in Wiener Neustadt auch gestellt. Danke auch für den Link zur OIB-Richtlinie.

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Bekannte hatten sich ein Niedrigenergiehaus gebaut. Seit den sparen sie ordentlich Energiekosten.

  4. möchte ein haus bauen , jetzt stellt sich die frage ob luft-wasser -wärmepumpe ,gas oder erdwärme heitzung , da ich bei bodenheitzungen immer geschwollene füße bekomme dachte ich an radiatoren wogegen mir viele abraten angeblich gibt es das nicht mehr . hätten sie eine lösung für mich wäre dankbar ! freundliche grüße von fam.. hanke

    1. Hallo Familie Hanke,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihre Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten, denn gerade bei einer Heizung im Zuge eines Neubaus spielen viele Faktoren eine Rolle:

      • Wo wird das zukünftige Haus stehen und welche Anschlüsse wird es dort geben (Gas, Öl, Erdwärme, etc.)?
      • Welche Auswahlmöglichkeiten bezüglich der Heizung lässt Ihnen Ihr Bauträger?
      • Wie viel Budget steht Ihnen für die Heizung zur Verfügung?
      • Ist Ihnen eine effiziente oder nachhaltige Heizung wichtig?

      Radiatoren für eine großflächige Beheizung in einem Neubau gelten tatsächlich als veraltet. Sie eignen sich aber gut zum kurzfristigen schnellen Beheizen eines Raumes, zum Beispiel im Bad. Eine Alternative zu Fußbodenheizungen sind Wandheizungen. Das Prinzip ist dasselbe, jedoch werden Wandheizungen als noch etwas effizienter angesehen. Und verursachen keine geschwollenen Füße. 🙂

      Eine weitere Möglichkeit sind Deckenheizungen. Lassen Sie sich hier am besten intensiv beraten.

  5. Danke für den tollen Beitrag.

    Mein Freund und ich planen derzeit unser neues Eigenheim.
    Lange haben wir überlegt, welche Heizung wir haben wollen. Wir haben uns für eine Infrarotheizung entschieden.

    Grüße
    Nadine

  6. Danke für den Beitrag.

    Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus. Der Besitzer möchte die alte Heizungsanlage durch eine neue ersetzten. Diese muss aber zuvor fachgerecht demontiert werden.

    LG
    Sophie

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