Asbest im Haus – den Gefahrenstoff erkennen und richtig entsorgen

Von der Wunderfaser zum Schreckgespenst – der gesundheitsschädigende Faserstoff Asbest wurde bis 1993 in vielen Gebäuden verwendet. Hier erfährst du, wo Asbest im Haus verbaut wurde und worauf du bei der Asbestsanierung achten solltest.

Extreme Hitze- und Säurebeständigkeit, hohe Isolierfähigkeit und keine Chance für Fäulnis oder Korrosion – wegen dieser und weiterer positiver Eigenschaften wurde Asbest die „Wunderfaser“ genannt und bis 1993 im Hausbau eingesetzt. Doch Asbest ist eine Gefahr für die Gesundheit, die auch heute noch in vielen Häusern lauert. „Asbest kann sich in feine Fasern aufsplitten, die über die Atemwege in die Lunge gelangen. Setzen sie sich dort fest, können sie – oft erst Jahrzehnte später – Lungenkrebs verursachen“, erklärt Herbert Pfaff-Schley, Geschäftsführer des Umweltinstituts Offenbach GmbH.

Asbest, Asbestsanierung, Asbestentsorgung, Asbestplatten. Foto: Ecology/AdobeStock
Asbest kommt oft in Dacheindeckungen vor. Foto: Ecology/AdobeStock

So mutierte Asbest von der Wunderfaser zum Schreckgespenst. Bereits seit 1943 gilt Lungenkrebs in Folge von Asbestbelastung als Berufskrankheit. Letztendlich wurde 1993 in Deutschland und 2005 in der gesamten EU verboten, asbesthaltige Produkte oder Asbest herzustellen, in Verkehr zu bringen oder zu verwenden.

Ab wann ist Asbest im Haus gefährlich?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen fest- und schwachgebundenem Asbest. Festgebundene Asbestprodukte haben einen geringen Asbestanteil von 10-15 Prozent. Dazu zählen unter anderem Dach- und Wellplatten, aber auch Rohre, Kabelkanäle und Bodenbeläge. „Von intakten Produkten geht zunächst keine Gefahr für die Gesundheit aus. Erst das Schneiden, Bohren, Brechen oder Fräsen dieser Baustoffe setzt gesundheitsschädliche Asbestfasern frei“, so Herbert Pfaff-Schley. Deshalb solltest du jegliche mechanische Bearbeitung asbesthaltiger Materialien vermeiden und vor Renovierungsarbeiten abklären lassen, ob Asbest enthalten ist. „Schon das reine Streichen von Asbest-Dachplatten oder eine Behandlung mit dem Hochdruckreiniger kann gefährliche Fasern ablösen“, erklärt der Experte.

Gefährlicher als festgebundene sind schwachgebundene Asbestprodukte: Sie bestehen zu mehr als 60 Prozent aus dem Gefahrenstoff. Hier können sich bereits durch leichte Erschütterungen Fasern lösen und in die Atemluft gelangen. „Produkte wie Spritzasbest, Leichtbauplatten oder Elektrogeräte stellen daher ein Gesundheitsrisiko dar und sollten umgehend von fachkundigen Baufirmen entfernt werden“, sagt der Experte.

Wo im Wohnhaus ist mit Asbest zu rechnen?

Fast überall im Haus kann Asbest verbaut sein. Beispielsweise können verdeckte Produkte wie Spachtelmassen, Fliesenkleber und Putze in sehr geringen Mengen Asbest enthalten.

Unter anderem kommt der krebserregende Faserstoff auch hier vor:

  • Dacheindeckungen, Außenwandverkleidungen, Fassaden (Asbestzement/Eternit)
  • Wandverkleidungen um Waschbecken (Asbestzement/Eternit)
  • Fliesenkleber und Spachtelmassen
  • Estrich
  • Alte Fußbodenbeläge aus Kunststoff
  • Zwischenlagen unter Elektro-Abzweigdosen und Vorschaltgeräten (Asbestplatten)
  • Hinter Öfen in älteren Holzgebäuden, oft als Asbestpappe, also schwach gebunden
  • Elektrogeräte wie Bügeleisen, Haartrockner, Kohlebogenlampen, Toaster, Elektrogrills, Nachtspeicheröfen, Thermoelemente, Heizwiderstände, Temperaturmesswiderstände, Hochlastwiderstände, NH- und HH-Sicherungen, Röhrenrundfunkempfänger usw.
  • Sehr alte Dichtungen

Woran erkenne ich Asbest im Haus?

Asbest ist eher dunkel und zeichnet sich durch eine graue oder grünlich-graue Farbe aus. Dennoch kannst du es mit bloßem Auge kaum erkennen, denn meist ist der Gefahrstoff mit anderen Baustoffen wie Zement verarbeitet – was die Farbgebung verändert. Ein weiteres Indiz ist das Baujahr des Hauses, denn Asbest war vor allem zwischen 1960 und 1993 ein beliebter Baustoff. Besonders häufig wurde Asbest auf dem Dach verwendet in Form von Dacheindeckungen und Dämmungen. Wurde das Dach deines Hauses seit 1993 nicht saniert, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich darin Asbest befindet.

Asbestsanierung auf dem Dach. Foto: Lucaz80/fotolia.com
Asbestsanierung auf dem Dach. Foto: Lucaz80/fotolia.com

Doch der Faserstoff wurde auch in anderen Bereichen verbaut. Bevor du ein Bestandshaus renovieren oder sanieren lässt, solltest du einen Fachmann kommen lassen. „Eine klare Aussage, ob es sich um ein asbesthaltiges Produkt handelt, ist selbst für den Baustoff-Fachmann nicht immer einfach. Im Zweifelsfall ist die Entnahme und Untersuchung einer Materialprobe nötig“, erklärt Pfaff-Schley. Zahlreiche Labore bieten Asbest-Tests an. Falls du tatsächlich Asbest im Haus hast, solltest du eine Fachfirma mit den Renovierungsarbeiten beauftragen.

Worauf muss ich bei der Wahl eines Asbestsanierungsunternehmens achten?

Wenn du in deinem Haus eine Asbestsanierung durchführen lassen möchtest, solltest du einen dafür qualifizierten Betrieb wählen. „Jeder Betrieb, der in asbesthaltigen Häusern Abbruch-, Instandhaltungs- oder Sanierungsarbeiten durchführt oder asbesthaltige Abfälle beseitigt, muss über sachkundige Verantwortliche und zusätzlich über sachkundige Vertreter verfügen“, so Pfaff-Schley.

Hole dir zuerst verschiedene Angebote ein und lasse dir dabei den Sachkundenachweis des Betriebs zeigen. Diesen Nachweis erlangen Asbestsanierer durch die erfolgreiche Teilnahme an einem behördlich anerkannten Lehrgang. Er bestätigt, dass sie Kenntnisse über einschlägige Vorschriften und Bearbeitungsverfahren rund um den Baustoff Asbest erworben haben.

Folgende Sachkundennachweise sind erforderlich:

  • Fest gebundener Asbest (Asbestzement, Asbest-Dachplatten): Sachkundenachweis durch einen zweitägigen Lehrgang gem. TRGS 519, Anlage 4
  • Schwach gebundener Asbest: Sachkundenachweis durch einen viertägigen Lehrgang gem. TRGS 519, Anlage 3

Diese Nachweise können Handwerksbetriebe beim Umweltinstitut Offenbach mithilfe eines Lehrgangs erwerben. Grundlage für die Sachkundennachweise sind die Vorschriften der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519 (TRGS 519), die den Umgang mit Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten regeln.

Müssen sich Asbestsanierer regelmäßig weiterqualifizieren?

„Asbest-Sachkundenachweise gelten für einen Zeitraum von sechs Jahren“, sagt Experte Pfaff-Schley. Besuchen Handwerker zum Ende der Geltungsdauer einen behördlich anerkannten eintägigen Fortbildungslehrgang, verlängert sich die Geltungsdauer um weitere sechs Jahre.

Wie gehen Fachfirmen bei der Asbestentsorgung vor?

Bei der fachgemäßen Bauschuttentsorgung müssen Fachfirmen die Regeln der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nach TRGS 519 befolgen. Dazu zählen unter anderem:

  • Tragen von Sicherheitsbekleidung, Atemmaske und Schutzhandschuhen
  • Vermeidung von Staubentwicklung
  • Trennung von Asbestprodukten und anderem Bauschutt
  • Staubdichtes Verpacken der Asbestprodukte in Big-Bags oder reißfester Folie
  • Asbestentsorgung als Sondermüll (kein Sperrmüll!), inkl. Kennzeichnung als gefährlicher Sondermüll
  • Transportgenehmigung, Entsorgungsnachweis und Abfallbegleitschein erforderlich
  • Nachweispflicht für die fachgemäße Entsorgung

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